Wie ich auf den Hund kam – eine kleine Tierschutz Story

Wenn ich heute drüber nachdenke, ist es kaum noch vorstellbar, aber meine ersten Erfahrungen mit dem Tierschutz waren mehr als nur etwas holprig.

Ich war 20 Jahre jung und wollte mir den Traum vom eigenen Hund nach dem Auszug aus dem Elternhaus endlich erfüllen. Ich war noch Schülerin mit Ausbildungsplatz. Ich hatte „Einkommen“ und Erspartes. Ich lebte mit meinem Freund zusammen, er war auch nur vormittags außer Haus. Das Haus selbst gehörte seiner Mama, die ganztags zuhause war und sich freute, dass wieder ein Hund ins Haus kommen solle, der die Vormittage bzw. während meiner Abwesenheit bei Ihr verbringen würde.

Ich dachte, ich hätte da an alles gedacht. Erlaubnis vom Eigentümer, der Hund müsse nicht alleine sein. Kleiner Garten + kilometerweit Felder direkt hinterm Haus. Ich würde zur Hundeschule gehen und Hundesport machen wollen, den Hund zum Wandern mitnehmen etc. Und er würde von allen geliebt. Natürlich solle er am Liebsten aus dem Tierschutz kommen und so zogen wir in Tierheime in der Umgebung los.

Wie das Leben so spielt, wurden wir schnell desillusioniert.

Absagen beim ersten Gespräch, ohne uns überhaupt näher kennen lernen zu wollen:

  • Du bist zu jung bzw. Ihr seid zu jung
  • Wer weiß, wie dein Leben weiter geht und ob ein Hund dann noch passt
  • Ihr wohnt direkt an einer Hauptstraße
  • Der Garten ist nicht eingezäunt
  • Ob das Geld denn als Schüler und Azubi wirklich reicht?
 

Nichts konnte ich wirklich entkräften und es war ein echt blödes Gefühl, denn ich habe Hunde schon immer geliebt und wollte so gerne einem Tierschutzhund ein Zuhause geben. Aber klar wusste ich nicht, ob die Beziehung ein Leben hält, wie es nach der Ausbildung weiter geht. Natürlich war der Garten halt nicht eingezäunt, aber ist das wirklich Kriterium für einen Tierschutzhund? Eine Millionen auf dem Konto, ganztags zuhause, der Hund immer dabei, … und dann wundern sich einige Tierheime, wenn sie überfüllt sind – zumindest die, die den Interessenten nicht mal Chancen einräumen.

 

Und so musste ich selbst aktiv werden, noch aktiver. Ich wollte ja einen Hund, wir wollten einen Hund. Wir hatten Wunschvorstellungen und so schrieb ich einfach in Word einen Steckbrief.

Wir schrieben, was wir suchten: Es sollte eine schwarze (Wunsch meines Partners) mittelgroße Hündin (Wunsch seiner Mutter) sein, mit der ich aktiv (mein Wunsch) sein kann. Gerne auch noch ein Welpe oder Junghund, da ich den Hund an meine Wellensittichzucht heranführen wollte.

Ich stellte uns und unsere Lebens- und Wohnsituation ganz ehrlich vor, damit niemand auf Grund oben genannter Gründe später doch einen Rückzieher macht. Ich schrieb unseren Wohnort dazu und dass wir innerhalb von 100km Umkreis suchten mit der Erlaubnis, diesen Steckbrief weiter zu verbreiten. Das kannte man damals nicht, das war neu. Und wir bekamen so viel Resonanz. Einige Hunde waren zu alt oder zu groß. Einige passten so gar nicht ins Schema, aber ein Bild traf mich ins Herz. Da saßen drei 4 Wochen alte Hündinnen. Bunt und strubbelig, zweifarbig mit glattem Fell und schwarz mit glattem Fell.

Ich nahm direkt Kontakt auf und fuhr mit der Mutter meines Partners 2 Wochen später hin. Sie war so aufgeregt. Wir verbrachten viel Zeit in diesem Tierschutzverein, in dem die Kleinen zuvor zur Welt gekommen waren. Wir redeten viel und es war schnell klar, dass es passte.

So zog Kira dann mit 8 ½ Wochen bei uns ein und verbrachte die nächsten 15 ½ Jahre an meiner Seite.

Wir wissen nie, wie das Leben so spielt.

Den Partner gibt es schon lange nicht mehr in meinem Leben. Seine Mutter auch nicht. Dadurch haben wir aber keinen (eingezäunten) Garten mehr, wohnen nicht mehr an einer Hauptstraße und älter bin ich auch geworden.

In den 15 ½ Jahren war das Geld manche Zeiten knapp oder die Zeit, aber wir waren immer ein Team, bis zum Schluss. Ich bin sehr glücklich, dass mir damals das Vertrauen geschenkt wurde, dem kleinen Würmchen gerecht zu werden und bin stolz, dass wir so eine gemeinsame Zeit erleben durften.

Im Dezember 2021 durfte sie dann in den Himmel umziehen, oder wo sie auch immer hin wollte.  Und ich bin auch heute noch zutiefst dankbar.

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